Zehn wichtige Anforderungen für Tragehilfen

aus Tragehilfen von Jenny Grallert - Deutsche Hebammen Zeitschrift 2/2009 (215.70 Kb) pdf 
Für ein sich gesund entwickelndes Kind und die Zufriedenheit der Eltern ist es wichtig, dass Tragehilfen folgende Anforderungen gut erfüllen:

  1. Ein ausreichend breiter Steg zwischen den Beinen des Kindes muss vorhanden sein. Er reicht bei Babys bis in die Kniekehlen und unterstützt damit die physiologische Anhock-Spreizhaltung. Dadurch befinden sich die Knie in Bauchnabelhöhe.
  2. Eine Rückenstütze bieten Tuch oder Tragehilfe durch ausreichende Flexibilität und Festigkeit. Babys werden in einem für das Alter physiologischen Rundrücken straff eingebunden oder gehalten. Bei Tragehilfen ist ein ausreichend großes beziehungsweise in der Länge erweiterbares Rückenteil für größere Kleinkinder von Vorteil, um bei Bedarf den Bereich von Nacken bis Becken optimal zu stützen. Im straff gebundenen Tuch und in einer richtig eingestellten Tragehilfe kann und muss sich das Kind an den Tragenden anschmiegen. Es sinkt weder in sich zusammen noch zur Seite.
  3. Ausreichend Kopfstütze bietet beim Tragetuch die Bindetechnik, auch wenn sie naturgemäß nicht immer perfekt erreicht werden kann, zum Beispiel bei schlafenden Kindern in der einfachen Hüfttrage. Viele moderne Tragehilfen verfügen über mehr oder weniger geeignete Kopfstützen.
  4. Das Tragen sowohl unter als auch über der Oberbekleidung wird durch ausreichend lange Tücher beziehungsweise großzügig verstellbare Gurte der Tragehilfen ermöglicht. Ob sich eine Tragehilfe für die individuelle Körpergröße und Figur eignet beziehungsweise anpassen lässt, muss im Einzelfall geprüft werden.
  5. Das Kind muss bei Hüft- oder Bauchtragen so getragen werden können, dass man mit einem Nicken den Kopf küssen kann.
  6. Idealerweise sollte man abwechselnd auf Brust, Hüfte oder Rücken tragen können. Dies ermöglicht dem Tragenden den Komfort der Abwechslung und Entlastung, dem Kind seine Wunschposition. Ausreichend lange Tücher ermöglichen dies in jedem Fall. Sehr gute Tragehilfen eignen sich immer als Bauch- und Rückentragen. Sie sind für das Tragen auf der Hüfte jedoch dem Tuch oder Sling meist unterlegen. Demgegenüber ermöglichen kurze Tücher, Slings oder Pouches zwar sehr gute Hüfttragetechniken, sind zum Tragen auf dem Rücken aber nicht gut geeignet.
  7. Das „Anlegen“ oder „Abschnallen“ sollte schnell, sicher und unkompliziert möglich sein. Vor allem für das Tragen auf dem Rücken werden Tragehilfen häufig als dem Tragetuch überlegen empfunden, da ein Tuch für diese Form des Tragens selbst bei guter Übung zeitaufwändig und nicht ohne gewisse körperliche Anstrengung zu binden ist.
  8. Zu beachten sind das sehr unterschiedliche Eigengewicht und Packmaß von Komforttragehilfen, Tüchern und Slings.
  9. Eine gute Tragehilfe ist waschbar und schnell trocknend. Das Material sollte aus kontrolliert biologischem Anbau stammen oder schadstofffrei sein.
  10. Eine leicht verständliche und ausführliche Trageanleitung sollte mitgeliefert werden, damit die NutzerInnen die Vielfalt der An- wendungsmöglichkeiten erkennen und richtig nutzen können. Sehr gute Tragehilfen eignen sich immer zugleich als Bauch- und Rückentragen.